[Ich lese gerade] Das zweite Herz von Michael Connelly

Michael Connelly: Das zweite Herz

Erster Satz:
Ihre letzten Gedanken galten Raymond.

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Die Fortsetzung habe ich ja bereits gelesen – was auch ohne Kenntnisse des ersten Buchs ganz gut ging – und auch „Das zweite Herz“ scheint sehr vielversprechend zu sein. Auf die geplanten Rezensionen werdet ihr leider etwas warten müssen, da ich bei diesen Temperaturen einfach nicht gerne am PC sitzte. Der hat auch mal Hitzefrei….

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[Alltagsgeflüster] Spaziergang auf der Autobahn

Ich bin heute mehrere Kilometer über die Autobahn gelaufen. Nein, ich bin nicht verrückt! Beim „Still-Leben Ruhrschnellweg“ – einer Aktion im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2010 – war die A40 heute auf einer Strecke von 60 Kilometern für den Autoverkehr gesperrt. Auf der einen Fahrbahn konnten Radfahrer, Skater & Co rumdüsen (wenn sie nicht gerade im Stau standen) und auf der anderen Fahrbahn standen rund 18.000 Tische und es wurde ein „Straßen-Kulturfest der Superlative“ gefeiert. Unterschiedlichste Gruppen hatten es sich an den Tischen bequem gemacht und boten ein buntes Programm: Von Musik und Tanz, Malerei und Schauspiel bis zu alten und neuen Kinderspielen und gaaaanz viel leckerem Essen war alles dabei. Eigentlich war ich beruflich da, aber auch sonst hätte ich mir das Still-Leben vermutlich nicht entgehen lassen. Jeder mag davon halten was er will, für mich war es jedenfalls ein tolles – möglicherweise einmaliges – Erlebnis und ein richtig schönes Straßenfest! Ein seltsames Gefühl war es allerdings schon so von Ausfahrt zu Ausfahrt zu laufen. Und irgendwie kommen mir die Abstände sonst auch immer kürzer vor… 😉

Da Bilder bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, gibt’s hier ein paar Eindrücke:

Die Mobilitätsspur:

Achtung, spielende Kinder auf der Autobahn:

Stau auf folgenden Strecken…

Auch das ist Kunst?!

Schön siehts aus…

Der Autobahn-Song…

[Gelesen] Der Zirkusbrand von Stewart O’Nan

Stewart O’Nan: Der Zirkusbrand. Eine wahre Geschichte
Genre: Literarisches Sachbuch
Seiten: 509
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3498050290

Inhalt:
Es ist ein scheinbar harmloser Sommertag: Doch hunderte Menschen, die am 6. Juli 1944 in Hartford in den Zirkus strömten, um sich unterhalten zu lassen werden an diesem Tag mit Tod und Schrecken konfrontiert. Kaum hat die Show begonnen – die Raubtiernummer ist gerade zu Ende, die Panter sind noch in der Manege, aber der Hochseilakt schwebt schon unter der Kuppel – ertönt ein Schrei: Feuer! Nach wenigen Minuten steht das gesamte Zelt in Flammen, kurz darauf stürzt die Konstruktion zusammen. In der allgemeinen Panik trampeln sich die Menschen tot, werden von den Pfeilern erschlagen, zerquetscht, verbrannt. Die Raubtierdompteuse scheucht indessen seelenruhig die Panther in ihren Käfiggang, während das Orchester mannhaft „The Stars and Stripes Forever“ intoniert. Nach zwanzig Minuten, die Rettungskräfte treffen gerade ein, ist alles vorbei. Das Leid aber bleibt…
Beim größten Zirkusbrand in der amerikanischen Geschichte starben 167 Menschen, mehr als 450 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Die juristischen Folgen ziehen sich über Jahrzehnte hin…

Kommentar zum Buch & Fazit:
Bei einem Zirkusbrand sterben 167 Menschen. Eine gute Geschichte? Nein! Brutale Realität!
„Der Zirkusbrand“ ist kein Roman, sondern ein literarisches Sachbuch. Stewart O’Nan hat mit Zeugen gesprochen, Archivmaterial durchgesehen und die Geschichte des größten Zirkusbrand in der amerikanischen Geschichte rekonstruiert. Er hat sein Buch „allen Menschen gewidmet, die an jenem Tag in den Zirkus gingen ­ denen, die wieder nach Hause kamen, und denen, die dort blieben“.

Es ist wirklich beeindruckend, wie detailliert „Der Zirkusbrand“ und dessen Auswirkungen geschildert werden und mit welcher Präzision sich der Autor den unzähligen Einzelheiten widmet. Der Leser erfährt, dass Zufälle – etwa angelassene Bügeleisen, verspätete oder falsche Busse – lebensrettend sein können aber andererseits auch der Beginn einer Katastrophe sein können. Der Autor hat kein Problem damit, dass in seinem Buch auf Grund unterschiedlicher Aussagen immer wieder Widersprüche auftauchen und manche Frage nie geklärt werden können. Wenn sich Stewart O’Nan auch um Vollständigkeit bemüht, ist es auch ihm nicht Möglich alle Rätsel um den Brand zu lösen.
Trotz unzähliger Namen und Fakten liest sich der Text sehr flüssig. Stewart O’Nans Ton ist nüchtern und man merkt, dass er nicht unterhalten, sondern Fakten sammeln und – soweit es möglich ist – aufklären will. Der Bericht wird durch zahlreiche Fotos und Abbildungen illustriert, von deren Entstehung teilweise ebenfalls berichtet wird.

Auf über 500 Seiten schildert Stewart O’Nan die Vorgeschichte, den Brand selbst und die weitreichenden Folgen, die dieser mit sich brachte. Das Buch ist unglaublich fesselnd, sehr bedrückend aber wirklich lesenswert.

[Alltagsgeflüster] Am Bahnhof gestrandet

Bahn fahren ist ein Abenteuer! Das ist eigentlich nichts Neues – und doch erlebt man regelmäßig wieder Überraschungen. So saß ich heute doch tatsächlich über vier Stunden an einem Bahnhof fest, da der Zugverkehr in weiten Teilen NRWs am Vormittag wegen eines Unwetters und entsprechender Schäden teilweise komplett eingestellt wurde. Am Bahnhof an dem ich meine Fahrt begonnen habe ging noch alles gut und der Zug fuhr sogar planmäßig los. Zehn Minuten später bin ich dann an dem Bahnhof angekommen, an dem ich eigentlich hätte umsteigen müssen. Dann aber ging nichts mehr! Wenige Sekunden nachdem ich dort ankam wies mich eine freundliche Lautsprecherstimme darauf hin, dass sich jegliche Weiterfahrten auf unbestimmte Zeit verzögern würden. Später hieß es dann, die Aufräumarbeiten würden auf Hochtouren laufen, aber wann der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden kann, war auch am frühen Abend noch unklar. Irgendwann ließ man mich gnädigerweise wissen, dass die Wahrscheinlichkeit mein Ziel per Bahn zu erreichen bei 0,01 % liege. Tja, nach über vier Stunden am Bahnhof bin ich dann auf abenteuerlichen Wegen wieder nach Hause gefahren. Gut, dass ich nicht irgendwo im Nirgendwo gestrandet bin. Dann hätte ich das Ganze wohl nicht mehr mit Humor genommen. So bin ich immerhin noch zurück gekommen. Naja, aber dass bei einem Unwetter Bäume auf die Oberleitungen stürzen, dafür kann die Bahn ausnahmsweise wirklich nichts. Und immerhin hat man jetzt was zu erzählen – oder zu schreiben… 😉